Wohnortnahes Coworken kann Berufspendlern, Unternehmen und Umwelt helfen

Ergebnis des Modellprojekts CoWin: Im Idealfall sind Mitarbeiter*innen glücklicher, gesünder und leistungsfähiger - Digitalstrategie in Unternehmen erforderlich

Foto: Drei Männer in einer Gesprächsituation
Für Gespräche und kreative Pausen zwischendurch bietet sich die offene Lounge an. Foto: FIAP e.V.

"Coworking kann für Berufspendler eine wohnortnahe Alternative zu ihrem Arbeitsplatz im Home-Office oder im Unternehmen darstellen. Im Idealfall profitieren nicht nur Mobilität und Klimaschutz von vermiedenen Staukilometern sondern auch Arbeitgeber mit Digitalstrategie von zufriedeneren, besser vernetzten und leistungsstärkeren Mitarbeiter*innen", fasste Dr. Rüdiger Klatt, Vorstand des Gelsenkirchener Forschungsinstitut für innovative Arbeitsgestaltung und Prävention (FIAP) e.V. die Resultate eines innovativen Modellprojekts. In einem auf zwei Jahre angelegten Feldexperiment konnten 23 Unternehmen in zwei Coworking-Spaces in Gelsenkirchen und Marl digitale Arbeitsformen der Zukunft erleben und erproben. Die Ergebnisse wurden jetzt in einer virtuellen Meilensteinveranstaltung zusammengetragen. Rund 60 Teilnehmer, darunter auch NRW-Staatssekretär Christoph Dammermann und Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Karin Welge, tauschten sich mit Experten und Probanden über die Perspektiven neuer Technologien an den "dritten Orten" zwischen Homeoffice und Bürostandorten aus.

„Das Projekt CoWin liefert wertvolle Impulse für Unternehmen in der Emscher-Lippe-Region und im ganzen Land. Denn es fördert Start-ups und unterstützt die Entwicklung einer differenzierten Digitalstrategie für das flexible Arbeiten im Büro, von zu Hause und mobil. Nicht zuletzt stellt auch das Einsparen unnötiger Wege einen wichtigen Beitrag zu Klimaschutz und Energieeffizienz dar", sagte Christoph Dammermann, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein- Westfalen.Das Projekt CoWin wurde seit Januar 2018 im Rahmen des Förderprogramms "Umbau 21 - Smart Region" als Initiative zur Digitalisierung in der Emscher-Lippe-Region vom Land NRW gefördert. Der DGB Emscher-Lippe, zahlreiche Technologie-Anbieter der Region im Bereich VR sowie die Städte Gelsenkirchen und Marl haben das Vorhaben aktiv unterstützt.

Gelsenkirchens neue Oberbürgermeisterin, Karin Welge, bedankte sich dafür, dass solche Projekte wissenschaftlich begleitet möglich sind. FIAP und der Wissenschaftspark, so die Oberbürgermeisterin, hätten das richtige Thema gesetzt und gezeigt, wie sich alte und neue Arbeitswelt verzahnen lassen, sogar auch den Klimaschutz voranbringen: "In einer Stadt wie Gelsenkirchen, die sich Digitalisierung auf die Fahnen geschrieben hat, ist es nur schlüssig und folgerichtig, diese Impulse für die Arbeitswelt zu setzen. Das Projekt erleichtert den Prozess, den wir alle zu gehen haben - auch in der Stadtverwaltung selbst. Ich bin gespannt wie es weiter geht". 

Im Idealfall bieten Coworking Spaces allen Beteiligten Vorteile. Berufspendler*innen, die weite Arbeitswege zurücklegen müssen und sich selbst gut organisieren können, sind in Summe zufriedener, gesünder und leistungsfähiger, so ein Fazit des Projekts. Voraussetzung dafür sind Unternehmen mit einer Vertrauenskultur, die auch bereit sind in Remote-Arbeitsinfrastrukturen investieren. "Hier gibt es noch ganz viele Baustellen in Unternehmen, wo es auf Personalentwicklung, Management und Digitalisierungskonzepte ankommt", stellte Dr. Klatt fest. Für Betreiber von Coworking-Spaces sind Berufspendler eine sehr interessante Zielgruppe jenseits der klassischen Coworker*innen aus den Bereichen der Kreativen und Solo-Selbständigen.

Das reine Vermieten von Schreibtischen allein ist dabei kaum wirtschaftlich. Diese Einschätzung wurde bestätigt von Wolfgang Jung, Geschäftsführer des Wissenschaftspark Gelsenkirchen, der mit dem Projekt CoWin einen eigenen, modernen Coworking Space mit vielen Service-Angeboten dort eingerichtet hat. "Unser Coworking Space wird vor allem durch seine Einbettung in das gesamte Serviceangebot des Wissenschaftsparks interessant. So können zum Beispiel auch Konferenzräume, Einzelbüros und Parkplätze hinzugebucht und zentrale Dienste wie Empfang, Post- und Paketzustellung, E-Mobil-Sharing mitgenutzt werden. Für innovative Startups gibt es zudem eine In-House-Beratung durch die Wirtschaftsförderung Gelsenkirchen und uns.“ Neben dem Wissenschaftspark Gelsenkirchen hatte auch das Designhaus Marl an dem Modellprojekt teilgenommen. „Berufspendler sind eine ökonomisch sehr anspruchsvolle Zielgruppe, die man aber als auch sehr verlässliche, kontinuierliche Stammkunden für einen Grundbelegung gewinnen kann. Uns hat die Betreuung sehr viel Spaß gemacht und uns weitergebracht“, bilanzierte Dr. Axel Gros, Haniel, die Erfahrungen aus Marl.

Von den beteiligten Unternehmen wurden die Erfahrungen aus dem Modellprojekt CoWin recht unterschiedlich gewertet. Für Evonik Industries stellte das Projekt ein gutes Experimentierfeld im Rahmen einer umfassenden Personalentwicklungsstrategie dar. Die Haniel-Gruppe begrüßte die neuen Impulse für das Aufbrechen traditioneller "Präsenzkultur". Aus Sicht des IT-Security Herstellers ESET, bei dem traditionell über 40 Prozent der Arbeitnehmer "remote" arbeiten, stellte wiederum das attraktive Umfeld im Wissenschaftspark einen besondere Vorteil dar. Bei der Effizienz-Agentur.NRW spielt die positive CO2-Bilanz eine besondere Rolle. Die Effizienz-Agentur.NRW und ESET wollen auch weiterhin mit einzelnen Mitarbeiter*innen vom Coworking Space im Wissenschaftspark aus arbeiten.

Im Rahmen des Modellprojekts entwickelten auch verschiedene Startups neue Dienstleistungen für das Arbeiten auf Distanz. Auf der Meilenstein-Tagung stellte Gründer Sascha Kuhn eine innovative Büroraum-Sharing-Idee zur Diskussion. Bildungscoach Bernd Binzenbach berichtete, wie er Unternehmen beim Einrichten digitaler Weiterbildungsformen berät. Markus Rall, CoWin-Partner der ersten Stunde, gab Einblicke in das Spin-Off-Projekt Virtual Work und Marvin Tekautschitz berichtete, wie er mit seinem 18köpfigen Team in den letzten beiden Jahren neue Virtual Reality-Konfererenzplattformen entwickeln konnte.

In der Key Note zur Tagung hatte Prof. Axel Minten, FOM, an das historische Wechselspiel der Gestaltung der Arbeitszeit, beruflichen Verkehrsströmen und Stadtentwicklung erinnert. Der Vize-Präsident des Bundesverbands Coworking Spaces (BVCS) ermunterte Unternehmen mit Berufspendlern dazu, Arbeitswelten komplett neu zu denken. Als Professor für Personalwesen erkennt er aber auch in den diversen aktuellen Veränderungen durchaus verlässliche Konstanten: "Im Dreieck Mensch, Raum und Technik werden Unternehmen immer Ankerpunkt bleiben."

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Foto zeigt vier Frauen an Schreibtischen
Die konzentierte ruhige Arbeitsatmosphäre im Coworking Space wurde von vielen Teilnehmer*innen sehr geschätzt. Foto: FIAP e.V.
Foto zeigt zwei Personen, eine arbeitet am Stethisch mit Laufband, eine andere sitzend am Schreibtisch
Ergonomische Arbeitsplätze erlauben das Arbeiten im Sitzen, Stehen und sogar das Gehen auf dem Laufband. Foto: FIAP e.V.

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