"Man muss uns jetzt diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten"

Vortrag der ISG-Dokumentationsstätte "Gelsenkirchen im Nationalsozialismus" 

Aufgrund der Corona-Pandemie finden die Veranstaltungen der regelmäßigen Veranstaltungreihe der Dokumentationsstätte "Gelsenkirchen im Nationalsozialismus" vorübergehend im Wissenschaftspark statt. Mit der Dokumentationsstätte, die sich in einem ehemaligen Polizeigebäude, das wärend der NS-Zeit unter anderem auch Sitz einer NSDAP-Ortsgruppenleitung war, ist das Institut für Stadtgeschichte dem Arbeitskreis NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW e.V. angeschlossen. Eine Dauerausstellung setzt sich dort mit der Geschichte des nationalsozialistischen Regimes in der Stadt Gelsenkirchen auseinander.

Am 28. Oktober 2020 ist ab 19 Uhr Michael Sturm aus Münster zu Gast bei der Dokumentationsstätte. Der Vortrag mit anschließender Diskussion im Wissenschaftspark widmet sich den geschichtspolitischen Mythen und Argumentationsmustern des aktuellen Rechtspopulismus:

In den Argumentationsmustern extrem rechter und rechtspopulistischer Strömungen spielt der Verweis auf Geschichte eine zentrale Rolle. Entweder, um eine angeblich bessere Vergangenheit zu verklären, oder, um eine gemeinsame "exklusive", kulturell und ethnisch homogene Identität zu beschwören. Immer wieder rückt aber auch die Erinnerung an die NS-Zeit in den Fokus extrem rechter Agitation. 

Die Mythen und Erzählmuster sind keineswegs neu. Vielmehr gründet das Geschichtsverständnis, das für den aktuellen Rechtspopulismus kennzeichnend ist, auf einem tradierten Bündel immer wieder neu beschworener extrem rechter Kampfbegriffe wie "Volk", "Gemeinschaft" oder "Nation", die ein vermeintlich homogenes und exklusives Kulturverständnis rechtfertigen sollen und die Grundlage eines völkischen Geschichtsbildes darstellen. Geschichtspolitik ist demnach Ausdruck eines von rechtspopulistischen Strömungen geführten "Kulturkampfes".

Zu fragen ist auch nach den gesellschaftlichen Resonanzen dieser geschichtspolitischen Vorstöße. Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für demokratisch orientierte historisch-politische Bildung? Wie könnten kritische Erinnerungskulturen gestaltet werden, die nicht nur der völkischen Aneignung von "Geschichte" entgegenstehen, sondern auch gesellschaftliche Perspektiven entwickeln?

> Die Veranstaltung ist kostenfrei.
> Eine Anmeldung bis zum 27. Oktober 2020 wird erbeten per Telefon unter 0209 169-8551 oder per E-Mail über isg@gelsenkirchen.de.
 

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