Donnerstag, 21. Oktober, bis Samstag, 22. Januar 2022

Fuck You Corona - fotografische Positionen zur Pandemie

Neue Fotoausstellung des Pixelprojekt_Ruhrgebiet zeigt Auswahl aus über 10.000 eingesandten Werken im Wissenschaftspark Gelsenkirchen

Ausgesperrt © Friedhelm Rettig

„Fuck You Corona“ lautet der Titel der neuen Fotografieausstellung des Pixelprojekt_Ruhrgebiet, die am Donnerstag, 21. Oktober 2021, mit dem Essener Virologen Prof. Dr. Ulf Dittmer im Wissenschaftspark Gelsenkirchen eröffnet wird. Im August hatte das Netzwerk freier Fotografinnen und Fotografen bundesweit und auch international dazu aufgerufen, Fotografien einzusenden, die sich auf ungewöhnliche Weise mit der Pandemie auseinandergesetzt haben. „Wir wussten, dass seit dem letzten Jahr viel entstanden ist und wollten ein umfangreiches Bild der Pandemie jenseits von Inzidenzzahlen und politischen Statements zeigen. Von der Flut der Einsendungen waren wir dennoch überrascht. Es haben sich 301 Fotograf*innen aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Spanien, England, Frankreich, Slowenien, Tschechien, Israel, USA und Argentinien mit insgesamt 415 Fotoserien und ca. 10.000 Einzelbildern gemeldet“, berichtet Pixelprojekt-Kurator Peter Liedtke. Im Wissenschaftspark Gelsenkirchen sind die von der der Jury ausgewählten Serien ab dem 21. Oktober zu sehen.

Die Jury unter anderem mit Dr. Anja Schürmann, Post-Doc Fellow am Kulturwissenschaftliches Institut Essen, Katja Stuke, Fotografin und Kuratorin, Marie-Luise Mayer, Curatorial Fellow bei Museum Folkwang Essen, Ditmar Schädel, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Photographie und Prof. Dr. Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Essen, hatte es nicht leicht, aus der Flut der Einsendungen eine Auswahl zu treffen. 23 Fotoserien von 24 Fotograf*innen dürfen nun im Wissenschaftspark diegroße thematische Bandbreite der Einsendungen repräsentieren.

So zeigt die Ausstellung ausdrucksstarke und einfühlsame Einblicke von Tobias Wuntke in die Corona-Intensivstation der Uniklinik Tübingen „Station 39“ ebenso wie „Coronakritische Demos“, die David Baltzer in Berlin und Leipzig dokumentiert hat. Emotionale Menschenansammlungen, allerdings in Partystimmung vor dem Finale der Fußball-Europameisterschaft in London, hat Kathrin Delhougne in der Fotoserie „Delta is coming home“ portraitiert.

Wie unterschiedlich alt und jung die Pandemie erlebt haben, wird durch mehrere Fotoserien deutlich. Frank Schultze hat in der Serie „Risikogruppe“ Menschen über 60 hinter trennenden Glasscheiben portraitiert. Markus Matzel zeigt den „Schulalltag in Coronazeiten“, Achim Pohl suchte „Jugendliche im Corona-Jahr“ zu Hause und an ihren Treffpunkten auf und Friedhelm Rettig sammelte mit der Serie „Ausgesperrt“ Portraits junger Menschen in geschlossenen Jugendheimen.

Mit Aufnahmen aus einem Fotoworkshop für Jugendliche zum Thema „Gender, Identität und Selbstinszenierung“ thematisiert Maurice Kohl mit Doppelbildern unter dem Titel „Medusa Reloaded“ deren Identitätsentwicklung in der Pandemie. In der Serie „Arbeit in der Krise“ beschreibt Simon Zamora Martin berufliche Situationen an der deutsch-polnischen Grenze, im Umfeld ostwestfälischer Fleischfabriken ebenso wie im Landratsamt oder im Bestattungsinstitut. Helena Lea Manhartsberger hat mit der Serie „sex work – lock down“ die Situation von Sex-Arbeiter*innen dokumentiert. Mario Brand hat Impfzentren der Pandemie im Ruhrgebiet mit der Serie „COMIRNATY-EY2172“ fotografiert - als besondere Orte der Pandemie bewusst menschenleer. Der ungewollten Leere an öffentlichen Begegnungsorten haben Rainer und Philipp Drexel unter dem Titel „Kein Mensch da“ nachgespürt. Die Serie von Matthias Klos „Der geteilte Raum“ zeigt Nebenstraßen in Wien, auf deren Bürgersteigen die zeitweilig verfügten, umstrittenen Abstandsregeln nicht eingehalten werden konnten. Mit der Serie „Metro Dwellers“ hat Max Knoll unauffällig Maskenträger*innen im öffentlichen Nahverkehr fotografiert. Und Pedro Malinowski hat inzwischen alltägliche Entdeckungen auf Straßen und das Verschmelzen mit Schmutz und Unrat in der Serie „Maskenmüll“ festgehalten. Orte, an denen die deutsch-französischen Grenzschließungen zu sehen sind, dokumentiert Alix Häfner als „Covid Grenzen“.

In der Serie „Haus am See“ gibt Malte Jäger sehr persönliche Eindrücke aus dem Rückzug seiner Familie auf ein Hausboot wider. Ebenfalls sehr persönlich verfolgt Sora Park in „The Afternoon of the Day“ fotografisch Veränderungen in drei von ihr bewohnten Zimmern in Südkorea, Essen und Berlin. Katharina Kemme hingegen hat sich mit Portraits in der Serie „Von Fremden und Freunden“ auf die Nachbarschaft in ihrem Essener Wohnquartiert fokussiert.  

Die Herausforderungen der Pandemie im Winter zeigen Outdoor-Szenen, die Arne Piepke und Maximilian Mann in der Serie „Die längste Nacht“ fotografisch aufgegriffen haben. Auch Florian Müller hat mit „Corona – Global State of Insecurity“ Szenen aus dem Lockdown gesammelt, allerdings in Screenshots aus dem Datenstrom ungesicherter Überwachungskameras aus aller Welt während des ersten Lockdowns. Sehr abstrakt geht es zu bei Karen Stuke, die in “ it´s positive to be negative” den Vlies aus Masken über den Vergrößerungsapparat in Negative verwandelt hat. Sehr künstlerisch kombinieren Rafael Heygster und Helena Lea Manhartsberger verschiedene Covid-19-Szenarien zur „Corona Rhapsody“.  

„Durch die Arbeiten erhält Corona ein Bild jenseits von Fallzahlen und Entwicklungskurven. Noch mitten in der Pandemie werden unsere Erfahrungen ergänzt durch Reflexionen unseres Umgangs mit einer nie dagewesenen gesellschaftlichen Herausforderung“, stellt Kurator Peter Liedtke mit Blick auf die Arbeiten fest. Die Ausstellung wird am Donnerstag, 21. Oktober, 18.30 Uhr, im Wissenschaftspark Gelsenkirchen, Munscheidstraße 14, eröffnet. Zur Eröffnung wird Jury-Mitglied Prof. Dr. Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Essen, über die Entwicklung der Pandemie sprechen. Für die Eröffnung ist die Beachtung der 3G-Regeln  erforderlich. Entsprechende Nachweise sind beim Eintritt vorzulegen.

Die Ausstellung kann bis zum 22. Januar 2022 ohne Voranmeldung während der Öffnungszeiten des Wissenschaftsparks, in der Regel montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 15 Uhr, besichtigt werden. Es besteht Maskenpflicht. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der käuflich an der Infotheke erworben werden kann. Der Eintritt ist frei.

Das Projekt Fuck „You Corona“ wird gefördert durch den Bundesverband Soziokultur im Rahmen des Bundesförderprogramms Neustart Kultur.

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Station 39 – Einblicke in die Corona-Intensivstation der Uniklinik Tübingen © Tobias Wuntke
Haus am See © Malte Jäger
Corona – Global State of Insecurity © Florian Müller
Risikogruppe © Frank Schultze
Jugendliche im Corona-Jahr © Achim Pohl
The Afternoon of the Day © Sora Park
Metro Dwellers © Max Knoll
sex work – lock down © Helena Lea Manhartsberger
Die längste Nacht © Arne Piepke & Maximilian Mann
it´s positive to be negative © Karen Stuke
Corona Rhapsody © Rafael Heygster & Helena Lea Manhartsberger
Arbeit in der Krise © Simon Zamora Martin
Covid Grenzen © Alix Häfner
Der geteilte Raum © Matthias Klos
Delta is coming home © Kathrin Delhougne
Von Fremden und Freunden © Katharina Kemme
Kein Mensch da © Rainer & Philipp Drexel
Medusa Reloaded © Maurice Kohl
Maskenmüll © Pedro Malinowski
COMIRNATY-EY2172 © Mario Brand
Coronakritische Demos © David Baltzer
Schulalltag in Coronazeiten © Markus Matzel

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