Diaolou – Die Wachtürme von Kaiping

Fotoausstellung dokumentiert Zeichen von Migration in der Architektur

(c) Sabine Bungert und Stefan Dolfen

Mit der Entwicklung von Städten und Landschaften beschäftigt sich die kommende Fotografieausstellung im Wissenschaftspark Gelsenkirchen. Vom 24. Mai bis 1. September 2018 werden unter dem Titel „Diaolou – Die Wachtürme von Kaiping“ Arbeiten von Sabine Bungert und Stefan Dolfen vorgestellt. Die Ausstellung dokumentiert die Diaolou, eine einzigartige Architektur im Süden Chinas, die westliche und chinesische Stilelemente kombiniert. Ebenfalls charakteristische Spuren von Migration in der Architektur zeigen Arbeiten aus der Türkei und Hongkong. Insgesamt werden 55 großformatige Fotografien in der Glasarkade des Wissenschaftparks ausgestellt. Seit 2010 arbeiten Sabine Bungert und Stefan Dolfen gemeinsam an fotografischen Langzeitprojekten, die sich vornehmlich mit Entwicklungen aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen, wie Migration und Landflucht, beschäftigen.

Namensgeber der Ausstellung sind die Diaolou, hunderte Wohn- und Wachtürme, die in der südchinesischen Provinz Guangdong errichtet wurden. Rund 70 chinesische Dörfer haben die beiden Fotografen 2017 besucht, um die letzten noch stehenden Diaolou zu fotografieren. Diese Arbeit wurde durch die Stiftung Kulturwerk der VG Bild-Kunst gefördert. Die Kaiping-Diaolou gelten heute als Zeitzeugen der Auswanderergeschichte der Übersee-Chinesen aus Kaiping.

Aufgrund von Bevölkerungswachstum, Überfällen und Hungersnöten wanderten zehntausende Chinesen Mitte des 19. Jahrhunderts aus, um im nordamerikanischen Eisenbahnbau, in den Zinnminen Malaysias und anderen arbeitsintensiven Industrien Asiens und Kanadas zu arbeiten. Die Situation der Daheimgebliebenen wurde immer beschwerlicher, doch die Übersee-Chinesen hielten engen Kontakt zu ihrer Heimat. In Kaiping fand man schließlich eine architektonische Lösung für diese wachsenden Probleme. Mit den Überweisungen der emigrierten Männer und dem Geld der Heimkehrer wurden fortan vermehrt Wohntürme im Stil der bereits existierenden Wachtürme aus der Ming Dynastie gebaut. Das Entscheidende war: Die Impressionen der weit gereisten Heimkehrer fanden in den neuen Gebäuden ihren Ausdruck. Zeichnungen, Fotos und sogar Ansichtskarten aus dem Ausland dienten dabei als Vorbild für die palastartig gestalteten Dachetagen, die neben Gotik-, Barock- und Rokoko-Stilelementen auch Einflüsse antiker griechischer, römischer oder islamischer Bauten zeigen. Entstanden ist eine einzigartige Kombination aus chinesischer und westlicher Architektur. Die Kaiping Diaolou zeigen die früheste Adaption westlicher Einflüsse in ländlichen Gebieten Chinas.

Auch in den weiteren Arbeiten beschäftigen sich Sabine Bungert und Stefan Dolfen mit Veränderungen im urbanen und ländlichen Raum aufgrund von Migrationsbewegungen. Dazu haben sie in Chikan, dem einstigen Handelszentrum der Provinz Guangdong, die nächtlichen menschenleeren Straßen und Gassen fotografiert. In „Arrival Cities“ haben die Fotografen  Zuwandererviertel in den Städten Hongkong und Istanbul besucht. Die Höhlenwohnungen in den rauen Hochebenen Zentralanatoliens erzählen von Menschen, die früh Zuflucht suchend ganze Dörfer in den weichen Tuffstein gegraben haben. Hier verbinden sich abendländisch-christliche und türkisch-moderne Einflüsse zu einer einzigartigen doppelten Kulturlandschaft.

Sabine Bungert und Stefan Dolfen haben an der Folkwangschule Fotografie und Design studiert. Sabine Bungert arbeitet für nationale und internationale Zeitschriften und Magazine sowie für die Unternehmenskommunikation international tätiger Firmen. Stefan Dolfen ist Gründer und Geschäftsführer des eye-d Designbüros in Essen. Beide arbeiten seit 2010 gemeinsam an fotografischen Langzeitprojekten und sind Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Photographie e.V. (DGPh).

„Mit den Bildern von Sabine Bungert und Stefan Dolfen lenken wir den Blick über das Fremde zurück auf das uns Gewohnte und können mit kritisch geschärftem Blick auch unsere durch Migration geprägte Umgebung mit neuen Augen betrachten “, sagt Ausstellungsmacher Peter Liedtke.

Die Ausstellung kann vom 24. Mai bis 1. September 2018 während der Öffnungszeiten des Wissenschaftsparks, Munscheidstraße 14, in Gelsenkirchen, montags bis freitags von 6 bis 19 Uhr, und samstags von 7.30 bis 17 Uhr besichtigt werden. Die Eröffnung der Ausstellung findet am Donnerstag, 24. Mai 2018, um 18.30 Uhr, im Wissenschaftspark Gelsenkirchen, Munscheidstraße 14, statt. Der Eintritt zur Ausstellung sowie zur Eröffnung ist frei.

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