Photovoltaik im Gewerbe lohnt sich wieder

Amortisationszeiten von rund zehn Jahren sind bei geschickter Konfiguration "drin" - Ost-West-Dächer werden attraktiver für Solarenergie - Individuelle Prüfung ist angeraten

Referenten und Gastgeber der Informationsveranstaltung "PV im Gewerbe" (von links): Wolfgang Jung, Geschäftführer Wissenschaftspark (oben), Thorsten Ellenbeck, ing:e Ingenieurgesellschaft für Energieeffizienz, Dr. Christopher Schmitt, Stadtrat und Dezernent für Wirtschaftsförderung der Stadt Gelsenkirchen, Nils Wolter, Wolter Sanitär-Heizung-Klima GmbH. Foto: vdbpr

Riesige Potenziale zur Erzeugung von Solarstrom bleiben in Gelsenkirchen noch ungenutzt: Nur etwa zwei Prozent der theoretisch erzeugbaren Menge an Solarstrom werden vor Ort eingespeist. Gleichzeitig hat die Bundespolitik die Rahmenbedingungen für Solarstromerzeugung verbessert und zum Beispiel die Limitierungen des so genannten "Solardeckels" aufgehoben. Wie Unternehmen ihren Eigenbedarf an Strom mit Solarenergie decken und gleichzeitig etwas für den Klimaschutz tun können, war Thema der gut besuchten Informationsveranstaltung "Photovoltaik im Gewerbe". Eingeladen hatte der Wissenschaftspark gemeinsam mit der Stadt Gelsenkirchen.

Dr. Christopher Schmitt, Stadtrat und Dezernent für Wirtschaftsförderung, freute sich bei der Begrüßung über das rege Interesse.  Mit gut 40 Teilnehmern war unter den aktuellen Bedingungen die Kapazitätsgrenze im gut belüfteten Konferenzsaal des Wissenschaftsparks erreicht. Wolfgang Jung, Geschäftsführer des Wissenschaftsparks begrüßte und befragte die anwesenden Unternehmer. Immerhin: gleich mehrere wollen in absehbarer Zeit in die eigene erneuerbare Energieversorgung investieren - und fühlten sich nach der Veranstaltung ermutigt, dieses Ziel weiter zu verfolgen. 

Carl-Georg Graf von Buquoy, Leiter des Themenfelds Photovoltaik bei der EnergieAgentur.NRW, stellte die aktuellen Rahmenbedingungen der Photovoltaik vor. "Wenn individuelle Konzepte für den Bedarf des jeweiligen Betriebs angepasst werden, rechnet sich Photovoltaik unter den aktuellen Rahmenbedingungen durchaus", so sein Credo. Am Beispiel eines Automobilzulieferers, der seine elektrischen Gabelstapler für das Lager nachts lädt, oder eines Spargelhofs, der sein Kühlhaus solar-elektrisch betreibt, machte er deutlich, dass sich durch geschickte Kombination von Komponenten aus Betrieb, Elektromobilität und Speicher valide Amortisationszeiten zwischen 10 bis 11 Jahren erzielen lassen.

Bislang galten Dächer mit Südausrichtung als optimal für die Solarstromerzeugung. Thorsten Ellenbeck, ing:e Ingenierbüro für Energieeffizienz, ließ jedoch Eigentümer von Satteldächern in Ost-West-Ausrichtung aufhorchen. Für den Eigenbedarf, so berichtete Ellenbeck, seien diese Dachtypen im Gegenteil gerade sehr gefragt, weil sie morgens früher und abends länger Strom liefern als die Süd-Varianten und dafür mittags etwas weniger Strom produzieren. Somit werde weniger teure Energiespeicherkapazität benötigt, weil, so demonstrierte Ellenbeck, die "flachere" Erzeugungskurve dann oft besser mit der Lastkurven des Eigenverbrauchs zusammen passe. 

Neuen Mut machte auch der Erfahrungsbericht von Nils Wolter. In dritter Generation Geschäftsführer eines Gelsenkirchener Familienunternehmens. Die Wolter Sanitär-Heizung-Klima GmbH ist seit jeher offen für Innovationen im eigenen Geschäftsbereich, also vor allem in Sachen Heizung.  An diese Unternehmenskultur konnte der Juniorchef anknüpfen. Er kombinierte eine 700 KWp-PV-Anlage mit der Sanierung eines Hallendachs. Seit sechs Monaten am Netz bestätigt sich auch hier die Prognose der Amortisationszeit von elf Jahren. Beim knapp zwei Jahre dauernden Weg von der Idee bis zur Umsetzung sieht Wolter rückblickend aber noch viel Optimierungspotenzial: Die eigentliche Installation brauchte nur wenige Wochen; die meiste Zeit sei für Genehmigungen ins Land gegangen, berichtete er.   

Die Kombination von Solarstrom und Elektrofahrzeugen beschäftigt derzeit noch viele Unternehmen. Das machten Rückfragen zu den einzelnen Vorträgen ebenso wie die anschließende Diskussion deutlich. Fahrzeugflotten, Logistikbedarf und Betriebszeiten mit Dachflächen, Solareignung und Lade- und Speichermöglichkeiten übereinzubringen ist technisch möglich, aber keineswegs trivial und nicht per se wirtschaftlich.

Tatsächlich, so waren sich die Referenten einig, gibt es derzeit wenig allgemeingültige Weisheiten. Die Überprüfung der Konstellation im Einzelfall ist daher anzuraten. Der Wissenschaftspark Gelsenkirchen, seit einem Vierteljahrhundert Pionier der Solarszene in Deutschland, unterstützt gern bei der Suche nach passenden Ansprechpartnern.

> Interessenten sind herzlich eingeladen sich im Wissenschaftspark Gelsenkirchen bei Stephan Rath, Telefon 0209.167-1010 oder rathnoSpam@wipage.de zu melden.

> Programm und Info zur Informationsveranstaltung "PV im Gewerbe" vom 29.09.2020

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