Internationale Zusammenarbeit statt De-Globalisierung

FIAP sieht Nachholbedarf weniger bei den technischen, sondern vielmehr bei den sozialen Komponenten der Digitalisierung

Der direkte Austausch - face to face - ist und bleibt für die Gesellschaft wichtig. Davon sind Sozial- und Geisteswissenschaftler wie Dr. Rüdiger Klatt und Silke Steinberg vom FIAP überzeugt. Das Foto entstand im Coworking-Space des Wissenschaftsparks. Foto: Wissenschaftspark / Jabs

Eine De-Globalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft, die sich manche ‚Traditionalisten‘ in Corona-Zeiten jetzt zurückwünschen, hält Dr. Rüdiger Klatt, Leiter des FIAP: Forschungsinstitut für innovative Arbeitsgestaltung und Prävention e.V. im Wissenschaftspark Gelsenkirchen, für wenig hilfreich. Zur Bewältigung der Corona-Krise, so ist er überzeugt, sei eine – wenn auch veränderte – Zusammenarbeit in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik im globalen Maßstab unabdingbar.

"Trotz technischer Weiterentwicklungen bis hin zu Virtual Reality-Arbeitsräumen hat sich das digitale Arbeiten auf Distanz in die DNA der Arbeitswelt nicht eingeschrieben, auch nicht international. Uns fehlen nicht die technischen Möglichkeiten. Uns fehlen die sozialen Instrumente, die Kompetenzen, die Routinen und Rezepte, zuletzt auch die gesellschaftlichen „Leitplanken“, die die Digitalisierung und Virtualisierung der Arbeitswelt weiter beflügeln. Das ist für uns ein wichtiges Forschungsfeld, in dem wir derzeit Lernprozesse im Rekordtempo beobachten können," stellt der Institutsleiter fest.

Die Forschungen von FIAP drehen sich seit Jahren um die Frage, wie man das Arbeiten und Lernen auf Distanz mit digitalen Instrumenten noch besser macht und weiter verbreitet: Im Projekt „Agile Pflege“ zum Beispiel, das FIAP derzeit gemeinsam mit maxQ durchführt, geht es um Online-Qualifizierungen für Pflegekräfte zur Stärkung ihrer Employability. Im Projekt CoWin, das unter anderem im NewWorkLab des Wissenschaftpark angesiedelt ist, soll herausgefunden werden, wie das neue Arbeitsmodell „Coworking“ pendelnde Beschäftigte unterstützen, Pendlerströme reduzieren und so auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Die Wissenschaftler*innen des FIAP selbst sind daher im Arbeiten auf Distanz geübt und arbeiten derzeit im Homeoffice.

"Im Vergleich zu vielen anderen, die ihr Unternehmen oder ihre Arbeit verloren haben, geht es uns noch vergleichsweise gut. Wir sind unseren Fördermittelgebern, vor allem Bundesforschungsministerium und und NRW-Wirtschaftsministerium, dankbar, dass sie es ermöglichen, unsere Forschungsprojekte - auch die internationalen - unter geänderten Rahmenbedingungen fortzuführen", betont Klatt.

So gibt es bei den internationalen Projekten, beispielsweise beim Bildungsprojekt "Graeducation", an dem auch das EnergyLab im Wissenschaftspark beteiligt ist, nun regelmäßige virtuelle Treffen statt Delegationsreisen. "Teilweise führen diese Treffen sogar zu einem lebhafteren und konstruktiveren Austausch als in „normalen“ Zeiten", stellen Silke Steinberg, die als Institutsleiterin die internationalen Forschungen des Institutes verantwortet, fest, und vermuten, dass die gemeinsame Entwicklung positiver, neuer Ideen für viele gerade jetzt ein Lichtblick ist. "Zur Ehrlichkeit gehört aber auch, dass gerade wir als Geistes- und Sozialwissenschaftler wissen, wie unbedingt notwendig der direkte Austausch in Interaktionen – face-to-face – für die Zusammenarbeit und für die Gesellschaft ist und bleibt", betont Steinberg.

Beim Leitthema "Arbeiten und Lernen auf Distanz" geht es dem FIAP daher immer darum, die digitalen Möglichkeiten als ‚Werkzeuge‘ zu nutzen, um zusätzliche Optionen zu eröffnen. Das gilt auch für die Planung zukünftiger Forschungsprojekte, die Fragen der virtuellen Berufsbildung in der internationalen Zusammenarbeit ebenso wie die Möglichkeiten der Unterstützung benachteiligter Bevölkerungsgruppen in ihrer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben aufgreifen sollen. Dazu ist derzeit der Aufbau eines Kompetenzzentrum VR/AR für die Arbeitswelt im Wissenschaftspark in der Planung.
> www.fiap-ev.de

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