3. Internationales Symposium „Zukunftsenergien für den Süden“
Erneuerbare Energien weltweit auf dem Vormarsch - Investitionen von mehr als 300 Mrd. US Dollar bis 2015 in Aussicht - Heimische Branche gut positioniert
Gelsenkirchen, 12. Mai 2005 – Kaum noch politische Absichtserklärungen, sondern vielmehr konkrete Vorhaben stehen im Mittelpunkt des zweitägigen internationalen Symposiums „Zukunftsenergien für den Süden“, das heute im Wissenschaftspark Gelsenkirchen begonnen hat. In der „Solarstadt“ Gelsenkirchen, in der die Freude über die gestern von Scheuten-Solar Geschäftsführer Frans van den Heuvel beim Spatenstich für eine neue Solarfabrik angekündigten 250 neuen Arbeitsplätze noch lange nicht verflogen ist, zeigte Li Junfeng, Generalsekretär des Verbandes für Erneuerbare Energien in China, Kooperationsmöglichkeiten für China und Deutschland auf: sein Land sei besonders interessiert an Instrumenten zur Förderung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen sowie an Technologien und Bildungsmaßnahmen rund um Windkraft, kleine Biomassekraftwerke und Fragen des Netzbetriebs. Rund 150 Teilnehmer, darunter hochrangige Delegationen aus China und Nigeria, waren der Einladung in den Wissenschaftspark gefolgt. Das nunmehr zum dritten Mal durchgeführte Symposium hat sich als kleine, aber feine Kontaktbörse etabliert, und möchte nicht nur deutschen Unternehmen neue Exportmärkte erschließen helfen, sondern auch zur Erreichung von Klimaschutzzielen, Linderung von Armut und Förderung von Fortschritt in den Ländern des Südens beitragen.
Bereits am Vortag hatten Prof. Dr. Josef Kim, President der Korea Business Services Ltd., und Dr. Heinz-Peter Schmitz-Borchert, Geschäftsführer des Wissenschaftsparks, eine Kooperationsvereinbarung zur Intensivierung der technologischen Zusammenarbeit bei neuen und erneuerbaren Energietechnologien unterzeichnet, wobei es konkret um Möglichkeiten der Zusammenarbeit beim Bau einer 1 Megawatt großen Photovoltaik- Demonstrationsanlage in der süd-koreanischen Solarstadt Daegu ging, die wie Gelsenkirchen dem weltweiten Verbund der Solar Cities angehört. Auch die nigerianische Delegation, unter Leitung des Staatsministers Prof. A.B. Borishade, hatte bereits im Vorfeld des Symposiums Verhandlungstermine mit Unternehmen aus der Region vereinbart. Im Rahmen des Symposiums hatten sich mehrere Unternehmen, die bereits über einschlägige Erfahrungen beim Technologietransfer in Entwicklungsländer verfügen, bereit erklärt, den Teilnehmern in einem Best Practice Forum ihre Vorgehensweise zu erläutern.
„Die Umsetzung des in Bonn beschlossenen Internationalen Aktionsprogramms für Erneuerbare Energien bedeutet Investitionen von 326 Mrd. US Dollar bis 2015, davon werden allein 138 Mrd. auf China entfallen“, erklärte Rainer Hinrichs-Rahlwes , Abteilungsleiter im Bundesumweltministerium und betonte: „Insgesamt wird ein Großteil der Investitionen in den Entwicklungsländern getätigt werden, da viele Aktionen und Verpflichtungen zwar in Industrieländern initiiert werden, aber auf Projekte in Entwicklungsländern abzielen.“ Ähnliches gelte für die Ankündigungen von Internationalen Organisationen und Finanzinstitutionen (Weltbank, Global Environment Facility GEF, regionale Entwicklungsbanken für Afrika, Asien, Zentral- und Südamerika). Als Konsequenz dieses Ressourcentransfers erwartet Hinrichs-Rahlwes, dass bis zu 300 Mio. Menschen erstmals mit Strom versorgt werden können und - bei Schaffung der geeigneten Rahmenbedingungen - Märkte für erneuerbare Energien in wichtigen Schlüsselländern wie Brasilien, China und Indien entstehen. Mit Spannung erwartet worden war vor diesem Hintergrund der Vortrag von Li Junfeng über die Grundzüge des neuen chinesischen Erneuerbare Energiengesetz, das im Januar 2006 in Kraft treten soll.
„In Nordrhein-Westfalen als Energieland Nr. 1 finden Unternehmen besonders gute Voraussetzungen, in diesen gigantischen Exportmarkt frühzeitig einzusteigen und die hier entwickelten Technologien weltweit zu vermarkten“, sagte Dr. Volkhard Riechmann, Ministerium für Verkehr, Energie und Landesplanung des Landes Nordrhein-Westfalen. Riechmann sprach in seiner Eröffnungsrede an, dass neben den bundesweiten KfW-Programmen demnächst auch die NRW-Bank eine Rolle bei der Förderung des Exports und Einsatzes von Zukunftsenergien spielen könnte, z. B. im Rahmen der Nutzung der Klimaschutz-Instrumente des Kyoto-Protokolls. Damit würde das gegenwärtige Instrumentarium der Landesförderung eines Engagements in Drittweltländern (z.B. für den Aufbau von Solarsiedlungen im ländlichen Vietnam) erweitert werden. Darüberhinaus böten die vom Land angebotenen Unternehmerreisen nicht nur für die traditionell exportorientierte Bergbau-Zulieferindustrie, sondern auch für Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien und Energieeffizienztechnologien einen erstklassigen Zugang zu den oftmals staatlichen oder halbstaatlichen Entscheidungsträgern in den Schwellen- oder Entwicklungsländern.
Frans van den Heuvel, dessen Unternehmen Scheuten Solar derzeit etwa 30 Prozent seiner Produktion exportiert, sieht allerdings für sein Unternehmen bislang nur einen wichtigen Berührungspunkt mit dem Bergbau: „Wir bauen jetzt unsere neue Fabrik auf dem Gelände einer ehemaligen Zeche.“ Frans van den Heuvel bestätigte die wichtige Rolle der politischen Rahmenbedingungen für Unternehmen im Bereich der Zukunftsenergien. Der politisch geschaffene „künstliche Markt“ in Deutschland gäbe seinem Unternehmen die Investitionssicherheit für die nächsten Jahre. Da mit jährlich sinkenden Preisen gleichzeitig die Marktchancen von Solarstrom für ländliche Gebiete in Entwicklungsländern stiegen, könne er nun die Produktion ausweiten und den Exportanteil für Solarmodule in den nächsten Jahren kontinuierlich auf rund 50 % steigern.
Der Wissenschaftspark Gelsenkirchen, der sich mit zahlreichen Veranstaltungen, Schulungsprojekten und dem Internationalen Besucherzentrum RuhrEnergy als Drehscheibe und Kontaktbörse für den Export von Zukunftsenergien etabliert hat, richtet den Kongress „Zukunftsenergien für den Süden“ bereits zum dritten Mal aus. „Wir stellen erfreut fest, dass sich der Charakter der Veranstaltung verändert: Weg von den großen Podien, hin zu kleineren Workshops und vorab arrangierten Vier-Augen-Gesprächen“, stellt Dr. Heinz-Peter Schmitz-Borchert fest und bilanziert: „Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass dieser für das Ruhrgebiet so wichtige Exportmarkt an Bedeutung gewinnt“.
Fast alle Vorträge können nach der Konferenz in englischer Sprache im Internet unter www.solartransfer.de eingesehen werden.
Weitere Informationen: Wissenschaftspark Gelsenkirchen GmbH, Wolfgang Jung, Projektleiter Zukunftsenergien, Telefon 0209.167-1005, E-Mail: jung@wipage.de
Pressestelle Wissenschaftspark: Sabine von der Beck, vdB Public Relations, Telefon 0209.167-1248, E-Mail: info@vdbpr.de
|
|

Prof. A.B. Borishade Minister of State, Ministry for Power and Steel, Federal Republic of Nigeria.

|