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Rösener, Monika

LEG Landesentwicklungsgesellschaft NRW GmbH

50 Solarsiedlungen in NRW: Sanierungsbeispiele Köln-Böcklemund und Gelsenkirchen-Lindenhof

Die von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen getragene Landesinitiative Zukunftsenergien NRW unterstützt die Umsetzung innovativer Projekte in den Bereichen Energiesparen, rationelle Energieverwendung und Nutzung unerschöpflicher Energiequellen.

Mit dem Ziel Ressourcenschonung auch in der Stadt- und Gebäudeplanung unter Berücksichtigung städtebaulicher und sozialer Aspekte zu verwirklichen, wurde in der Arbeitsgruppe „Bauen und Wohnen“ das Projekt „Mit der Sonne bauen - 50 Solarsiedlungen in Nordrhein-Westfalen“ initiiert.

Die größte n Potenziale zur Energieeinsparung im Wohnungsbereich liegen zweifellos im Bestand. Insofern ist die Umsetzung von Solarsiedlungen im Wohnungsbestand wie in Gelsenkirchen-Erle und Köln-Bocklemünd von besonderer Bedeutung.

Überblick über den Wohnungsbestand der LEG NRW

Mit rund 60.000 Wohnungen und über 200.000 Mieterinnen und Mietern ist die LEG Landesentwicklungsgesellschaft NRW GmbH eines der größten Wohnungsunternehmen in Nordrhein-Westfalen. Schwerpunkte liegen in den Regierungsbezirken Düsseldorf, Arnsberg und Köln. Der überwiegende Teil der Gebäude stammt aus den 50er bis 70er Jahren mit Mehrfamilienhäusern in Geschossbauweise und größeren Wohnkomplexen.

Als innovatives Wohnungsunternehmen setzt die LEG NRW bei Bestandsmodernisierungen auf eine zukunftsfähige Kombination von technischen, ökologischen und sozialen Maßnahmen, um eine dauerhafte Vermietbarkeit und Kundenbindung sicher zu stellen.

Das Modernisierungsprogramm mit einem Investitionsvolumen von rund 550 Mio. € beinhaltet daher auch umfassende Wohnumfeldmaßnahmen, die Unterstützung von Stadtteilprojekten, umfangreiche Energiesparmaßnahmen und den Einsatz von erneuerbaren Energien. Die LEG trat 2001 zur Unterstreichung ihrer Ziele dem „Bündnis für Klimaschutz NRW“ bei. Die daran beteiligten Unternehmen wollen den CO2-Ausstoß ihrer Gebäude um 10% bis zum Jahr 2005 senken.


Solarsiedlung Köln-Bocklemünd

Erbaut in typischer Architektur der 60er Jahre, wurde die Siedlung im Kölner Stadtteil Bocklemünd/Mengenich ursprünglich „Weiße Siedlung“ genannt. Nach Abschluss der Modernisierungsarbeiten im April 2001 erhielten die 33 überwiegend achtgeschossigen Gebäude den begehrten Titel „Solarsiedlung“. In den rund 550 Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von knapp 39.000 m⊃2; leben etwa 2000 Mieterinnen und Mieter.

Von weiten Grün- und Freiflächen umgeben jedoch in verkehrsgünstiger Randlage ist Bocklemünd ein Stadtteil auf der grünen Wiese. Überwiegend mehrgeschossiger Wohnungsbau umschließt ein zentral gelegenes Einkaufszentrum und ein Einfamilienhausgebiet.

Die Modernisierung der Siedlung umfasst eine energetische Nachrüstung der Außenhülle, den großflächigen Einsatz moderner Fotovoltaik und eine Neugestaltung der Eingangsbereiche. Im Juli 2002 wurde die Solarsiedlung auf dem XXI. Architektur-Weltkongress in Berlin mit dem „sternstadt“-Preis in der Kategorie Solarenergie ausgezeichnet. Eine Neugestaltung des Wohnumfeldes,die das Thema „Sonne“ einbindet, wird in Kürze folgen.

Das EnergiekonzeptErneuerung der Fassaden einschließlich Wärmedämmung, Dämmung der Kellerdecken und Dächer Reduktion des Heizwärmebedarfs um ca.50 %, von 126 kWh/m⊃2;a auf rund 60 kWh/m2a mit einer Heizkostensenkung um mind. € 0,21/m2 Installation von ca.1.500 m2 Fotovoltaik mit einer Leistung von ca. 150 kWp integriert in große Fassadenflächen und Balkonbrüstungen sowie auf Dachflächen aufgeständert. Einspeisung des Stroms aus der Fotovoltaikanlage seit Mitte März 2001 mit einem jährlichen Ertrag von ca. 100.000 kWh. Entwicklung eines Leitfadens für Mieter zur weiteren Energieeinsparung durch persönliches Nutzerverhalten Erhöhung der Kaltmiete nach den Umbaumaßnahmen von 3,84 auf 4,27 €/m2 , das entspricht einer Mieterhöhung von 0,43 €/m2 Gesamtkosten des Projekts 11,7 Mio. €: davon Modernisierung 8,9 Mio. €, Instandhaltung 1,8 Mio. € und Fotovoltaik 1,1 Mio €.
Der ökologische Effekt der Modernisierungsmaßnahmen ist unstrittig: Rund 580 Tonnen CO2 werden jährlich eingespart. Der Titel „Größte Solarsiedlung im Bestand“ erweist sich zudem als Imagegewinn. Die Nachfrage nach Wohnungen und die Wohnzufriedenheit in der Siedlung sind deutlich gestiegen ist. Die Ziele Kundenorientierung und nachhaltige Bestandsmodernisierung konnten in Köln-Bocklemünd erfolgreich umgesetzt werden.

Solarsiedlung Gelsenkirchen „Lindenhof“

Im Gelsenkirchener Stadtteil Erle gehören 274 Wohnungen der Siedlung „Lindenhof“ zum Bestand der LEG. Die 1951 und 1952 für Bergarbeiterfamilien in Schlichtbauweise errichtete Siedlung mit einer Gesamtwohnfläche von 12.069 m⊃2; ist in ihrem Standard bis zum Beginn der Modernisierung Anfang des Jahres 2002 weitestgehend unverändert geblieben. Sie unterscheidet sich von ihrer Umgebungsbebauung als in sich geschlossene, homogene Einheit.

Die ruhige Lage, die fußläufige Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und alle notwendigen Infrastruktureinrichtungen wie Schulen, Kirchen, Kindergärten, Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten machen die Siedlung als Wohnstandort nach wie vor begehrt. Weite Grün- und Freiflächen mit altem Baumbestand stellen eine besondere Qualität dar.

Die Sanierungsmaßnahmen bewahren und betonen den städtebaulichen Solitärcharakter und schaffen zugleich einen zukunftsorientierten und ökologischen Wohnungsstandard auf einem sozial verträglichen Mietniveau. Aus ursprünglich 274 zum Teil sehr kleinen Wohnungen wurden 220 moderne Einheiten für Ältere und junge Familien. Für die Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung wird in Zukunft auch solare Energie genutzt.

Modernisierung

Obwohl die energetische Nachrüstung und Versorgung aller Wohnungen mit einer zentralen Heizung und Warmwasserversorgung den wesentlichen Bestandteil der Modernisierungen bildet, gehört eine Reihe weiterer Maßnahmen zum erfolgreichen, ganzheitlichen Ansatz im Lindenhof:
- Ausstattung aller Wohnungen mit einem Balkon und im Erdgeschoss mit einem direkten Zugang zum Garten
- Erneuerung aller Ver- und Entsorgungsleitungen, Bäder, Fußböden (inkl. Schallschutzmaßnahmen) Treppenhäuser und Hauseingänge
- Umsetzung eines lichten Gestaltungskonzept
- Grundrissänderungen auch unter dem Gesichtspunkt barrierefreier Zugänge für Ältere und Familien (Lebenslaufstandard) zu einem zeitgemäßen Mix aus verschiedenen Wohnungsgrößen: angefangen bei kleineren Einraumwohnungen mit 42 m⊃2; bis hin zu Fünfraumwohnungen mit 112 m⊃2;
- Erhalt der Wohnküchen als zentralen sozialen Mittelpunkt
- Verwendung wohngesunder Materialien
- Neugestaltung der Freiflächen, mit der Vergabe von Mietergärten (auf Wunsch)
- Beratung und Hilfestellung beim einmaligen Umzug in die modernisierten Wohnungen innerhalb der Siedlung (teilweise sogar im gleichen Haus)
- Integration einer neuen Mietergeneration mit Kindern
- Erarbeitung eines Mieterhandbuchs zur Wohnkostenreduzierung
- Entwicklung von Lösungsansätzen im Bauteam mit Planern, Fachplanern, ausführenden Unternehmen und örtlichen Beteiligten des Mieterzentrums

Energetisches Konzept

Die energetische Verbesserung der Bausubstanz im Lindenhof umfasst die gesamte Gebäudehülle:hochwertige Dämmung der Außenwände als WärmeverbundsystemKeller- und Dachgeschossdämmungneue Fenster und Türen aus Polypropylen mit Wärmeschutzverglasung kontrollierte Be- und EntlüftungMinimierung von WärmebrückenverlustenLuftdichtigkeit der Gebäudehülle (n<1,5)
Fünf Nahwärmeinseln versorgen die Gebäude der Siedlung über ein kurzes Netz mit Wärme. Um die gewonnene Solarenergie effizient nutzen zu können, sind die Heizflächen im Niedertemperatursystem ausgelegt. Die Vorlauftemperatur beträgt im Auslegungsfall 55°C, die Rücklauftemperatur max. 35°C. Reicht die von den Kollektoren erzeugte Wärmemenge nicht aus, wird über in Kaskade geschaltete Brennwertthermen nachgeheizt.

Die Übergabestationen in den Wohnungen ermöglichen eine direkte Warmwasserbereitung über einen integrierten Wärmetauscher. Darüber hinaus verfügen die Küchen über einen Warmwasseranschluss für Geschirrspüler, um auch hier Solarenergie statt Strom einsetzen zu können.

Insgesamt bewirken die Maßnahmen eine jährliche Reduzierung des Heizwärmebedarfs von ca. 300 kWh/m⊃2; auf unter 65 kWh/m⊃2;. Die durch Kohleheizung und elektrische Warmwasserbereitung verursachten CO2-Emissionen wurden mit dem neuen Energiekonzept von ehemals 2.736 t/a um mehr als 80% auf nur noch 379 t/a gesenkt. Pro Wohnung bedeutet das eine jährliche CO2-Reduzierung von bisher 10 t auf weniger als 2 t.

Kosten und Förderung

Die Gesamtmaßnahme hat ein Investitionsvolumen von ca. 11,5 Mio. €, das sich zusammensetzt aus Fördermitteln aus dem
- Modernisierungsprogramm des Landes NRW,
- der REN –Breitenförderung,
- Zuschüssen der Emschergenossenschaft zur Regenwasserversickerung,
- Gesellschafterdarlehen und Kapitalmarktmitteln sowie
- Eigenkapital.

 

Ries, Volker / von der Mühlen, Michael

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